Diabetes Wissen

Warum du als Typ-2 Diabetiker den Blutzucker regelmäßig checken solltest

3.2.2015 von Markus Berndt

Typ-1 Diabetiker kommen nicht drum herum, Blutzuckermessen ist pure Gewohnheit und gehört zum selbstverständlichen Tagesablauf wie das Zähneputzen.

Warum es allerdings auch für Typ-2 Diabetiker monstermäßig nützlich sein kann, sich täglich den Blutzucker zu messen, erfahrt ihr jetzt hier. Das Blöde, nicht jeder Diabetiker bekommt Blutzucker-Teststreifen von der Krankenkasse finanziert, dazu muss man eine medikamentenbasierte Therapie durchführen (AT), oder sogar insulinpflichtig (D) sein. Eine Regelung, die eigentlich sogar traurig ist und in meinen Augen völliger Nonsens. Schließlich ist es gerade für Typ-2 Diabetiker, die keine Medikamente einnehmen, von immenser Bedeutung, stets den Überblick über die Blutzuckerwerte zu behalten.
Wann und warum sollte man messen?
Der Nüchternblutzucker, vor dem Frühstück gemessen, ist sicherlich ganz interessant und kann uns unter anderem darüber Aufschluss geben, wie unsere Leber in der Nacht „gearbeitet“ hat. Je nachdem, ob (und in welcher Dosierung) wir am Abend zuvor Tabletten geschluckt- oder Insulin gespritzt haben, wird dieser Wert natürlich „verfälscht“ und schwankt in seiner Aussagekraft. Nur sogenannte „Lifestyle-Diabetiker“, wie auch ich einer bin, erfahren durch den Nüchternblutzucker die ungebremste Wahrheit, und haben aufgrund der mehr oder weniger stark ausgeprägten Insulinresistenz manchmal höhere Morgenwerte. Das ist jedoch bis zu einem bestimmten Grad völlig unbedenklich, viel interessanter ist in diesem Zusammenhang der sogenannte postprandiale Wert. Nämlich unser Blutzucker 2 Stunden nach der Mahlzeit, in diesem Fall nach dem Frühstück. Meinem Erachten nach ist es wesentlich erstrebenswerter, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden, als ständig nur auf „weltmeisterlich niedrige“ Werte zu achten.
Blutzuckermessung_2
Was denkt Ihr schadet unseren Gefäßen auf Dauer mehr?
Beispiel 1: Ein durch Insulinresistenz und schlechten Schlaf verursachter Nüchternblutzucker von 120mg/dl erhöht sich nach einem kohlenhydratreduzierten Frühstück um nur 10mg/dl auf 130mg/dl. Beispiel 2: Wir haben vor dem Schlafengehen brav unsere Tabletten geschluckt und einen Nüchternblutzucker von 93mg/dl. Nach einem opulenten Frühstück mit einem Glas Orangensaft, 2 Marmeladen-Brötchen und 1 Tasse gezuckertem Kaffee, Tee oder heißer Schokolade steigt unser Blutzucker auf satte 155mg/dl oder sogar höher an. Ich denke, die Antwort kennen wir alle, nicht wahr? Die durch schlechte Ernährung verursachte „Achterbahnfahrt“ des Blutzuckers sollte unbedingt vermieden werden! Doch wie erfahren wir am besten, welche Speisen & Getränke unser Stoffwechsel besser verträgt, und was unseren Blutzucker zu unerwünschten Höhenflügen bringt? Richtig, dass können wir nur durch eine regelmäßige Blutzuckermessung heraus finden. Dieses Know How sollte unser Rüstzeug sein, es ist die Basis, um zu verstehen, wie unser nahrungsbezogener Stoffwechsel funktioniert und ein absolutes „Must have“ für den eigenverantwortlichen Umgang mit unserem Diabetes-Monster!
Der Zucker erzählt...
Die Erfahrung, die ihr mit der eigenen Blutzuckermessung macht, ist tatsächlich unermesslich! Nicht nur vor und nach dem Essen, auch nach dem Sport, bei Stress, schlechtem Schlaf, oder nach einem entspannendem Treffen mit Freunden – Ihr würdet euch wundern, was euer Zucker euch zu erzählen hat. Ihr werdet dieses Geheimnis nicht lüften, ohne dass Ihr häufiger messt – und niemals könntet Ihr so wertvolle Schlüsse daraus ziehen - und den (Ver)Lauf eures monstermäßig verursachten Lebens beeinflussen. Auch wenn man für die eigene Gesundheit manchmal in die Tasche greifen muss, es lohnt sich! Ein paar Tipps rund um die Blutzuckermessung gibt es übrigens auch im 2. Level der mySugr Academy. Leser meiner Blogartikel ist die Tatsache bestens bekannt, dass ich seit bald 3 Jahren mein Monster ohne Medikamenteneinnahme nachhaltig bezwungen habe. Auf eines habe ich jedoch nie verzichtet: Lanzetten und Blutzucker-Teststreifen im Überfluss! Bis zu 6x am Tag habe ich mich gepikst, alles dokumentiert – man kann mich gerne auch als Freak bezeichnen. Aber eines sage ich Euch aus wirklich vollster Überzeugung: Ohne dieses häufige Messen, ohne mein Selbstmanagement – ohne meine eigenen Erfahrungen…hätte ich es nie geschafft!

Markus Berndt