Alltag mit Diabetes

Hauptsache Zucker - die Herausforderungen einer Hypo

27.4.2015 von Ilka Gdanietz

Tatort: Küche. Tatzeitpunkt: Mitten in der Nacht. Motiv: HYPO! Wir Typ-1 Diabetiker kennen diese Situation nur zu gut. Hocken auf dem kalten Küchenboden, im Schein des Kühlschranklichts, vor uns Schokoladenpapier, leere Joghurtbecher und angebrochene Saftflaschen...

Hypos sind so ziemlich das Überflüssigste was man sich vorstellen kann. Und sie nerven. Fürchterlich. Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, Fress-Attacken. Bei jedem sind die Symptome einer Unterzuckerung etwas anders, aber wir alle brauchen in dieser Situation das Gleiche: Kohlenhydrate. Jeder Monster-Zähmer hat andere Vorlieben das fiese Gefühl einer Unterzuckerung zu bekämpfen. Natürlich kennen wir alles die Regel: eine schnelle und eine langsame BE. In der Theorie plausibel, in der Praxis ist das Handling einer Hypo aber oft eine Herausforderung. Hier im mySugr Office hat natürlich auch jeder seine Vorlieben und so kommt es tatsächlich recht selten vor, dass wir uns unser Hypo-Treatment gegenseitig vor der Nase wegmampfen. Ich habe mich mal umgehört, was so gefuttert wird.

Marlis (Anti-Traubenzucker-Monster)

“Wenn ich richtig tief bin dann hilft mir einfach Saft am besten.(Die Macht liegt im Saft) Traubenzucker kommt mir da nicht in die Finger, außer ich habe wirklich sonst nichts in meiner Tasche. Aber sogar dann, laufe ich lieber in den nächsten Supermarkt und hole mir Saft oder Kekse. Wenn ich in der Nacht eine Hypo habe, und in meinem Kopf es sich schon so anfühlt als würde ein Affe herumtanzen, dann greife ich auch zu anderen Sachen und esse manchmal viel zu viel, was ich dann mit einem Bolus wieder ausgleiche."

Scott (Das Cornflakes-Krümel-Monster)

“Wenn ich in der Nacht mit einer echt fies tiefen Hypo aufwache, die Pfeile auf meinem Dexcom nur noch in Richtung Erdboden zeigen, dann bricht eine Art Panik bei mir aus, stürze hastig die Treppe herunter in die Küche und esse eine Schüssel Cornflakes mit Milch. Das sind ca. 150g Kohlenhydrate. Eine Menge. Das weiß ich und probiere darauf angepasst zu spritzen. Klappt aber....NIE. Die Folge ist ein hoher Nüchtern-Blutzucker. Zeigt mir mein Dexcom mir aber eine “seichte” Hypo an, also einen langsam fallenden Zucker, dann bevorzuge ich schnell ein oder zwei Traubenzuckerstückchen und die Sache ist erledigt.”

Anne (das Ohhh-Saft-Monster)

“Nicht die ganze Küche leer zu essen fällt mir so schwer. In der Nacht trinke ich zuerst eine Capri-Sonne und meist danach noch einen Kakao. Da kann ich variieren und so viel Kakao wie ich bzw. mein Monster mag reingeben. O-Saft und Kakao.Was für eine Kombination. Wenn ich unterwegs bin und nichts dabei habe oder schon aufgegessen habe, dann schnell in den nächsten Supermarkt. Da wird es immer ein oder mehrere Smoothies. Die sind kalt (bei einer Hypo ist mir so grottig heiß) und gibt mir das Gefühl mich gesund “überessen” zu haben.”

Clara (das Zuckerwürfel-Monster)

“Die berühmten alten Würfelzucker sind bei mir die Nummer 1. Hin und wieder ist mein Vorrat zuhause auch erschöpft, dafür habe ich dann diese Zucker-Sticks aus Kaffeehäusern als Backup. Die eignen sich auch prima zum Sport weil sie ziemlich leicht sind. Meine Freunde und Familie wissen schon, dass ich diese Sticks immer gut gebrauchen kann und bringen immer mal wieder welche mit. Wenn ich vor dem Frühstück unterzuckert bin, dann kann ich kaum aufhören am Frühstückstisch alles in mich reinzufuttern. Mein Favorit ist da der Honig! “

Kyle (das Organisation-ist-alles-Monster)

“Ich bevorzuge Saft oder Jelly Beans. Eine Jelly Bean hat ca 1g Kohlenhydrate. Da kann man bisschen naschen und behält den Überblick. In der Nacht laufe ich nur schnell zum Kühlschrank, hole mir einen Saft und probiere nicht den ganzen Inhalt des Kühlschranks zu essen. Ist aber natürlich auch schon passiert. Am Tag favorisiere ich Traubenzucker oder Süßigkeiten, die ich immer dabei habe. Meine Hypo-Rationen sind überall verteilt. Im Auto, Zuhause, im Rucksack, in der Jackentasche. ÜBERALL!”

Ilka (Nutella-Monster)

"Bei mir persönlich kommt es auch ein wenig auf die Art der Hypo und die Symptome einer Unterzuckerung an. Wenn der Blutzucker schnell fällt, fällt auch gleichzeitig meine Disziplin und ich esse alles was gerade so in Sichtweite ist. Ein richtiger Freßflash eben, Hauptsache Kohlenhydrate. Mit Traubenzucker habe ich so meine Probleme, nach über 20 Jahren Diabetes bleibt der mit regelrecht im Hals stecken. Ausnahme: Glucolift. Leider nur in den USA erhältlich. Aber eigentlich ist Nutella mein liebstes Hypo-Treatment. Eher ungewöhnlich, wenn man den Fettanteil bedenkt. Dennoch, 1-2 Teelöffel Nutella, und mein BZ schießt nach oben. Das gute daran, er bleibt relativ stabil danach. Nachts hingehen greife ich gern auch Fruchtmuss zurück, steht auch immer griffbereit neben meinem Bett."

Schlussendlich...

muss jeder eine Hypo so bekämpfen wie es einem am besten oder leichtesten fällt. Egal ob Schoko, Saft oder Zuckerwürfel. Monster hat Hunger! Schnell den Blutzucker nach oben zu kriegen steht an erster Stelle, und wenn es geht am besten auf die schmackhafte Art und Weise. Hypos sind ätzend genug, da sollte zumindest die Bekämpfung nicht auch noch mit etwas Schlechtem assoziiert werden. Und immer daran denken: erst ESSEN, dann MESSEN. Es macht übrigens durchaus Sinn seine Unterzuckerungen regelmäßig zu dokumentieren. Daraus lassen sich im Nachhinein vielleicht Muster erkennen, die dabei helfen den nächsten Fressflash zu vermeiden. Denn was man nicht vergessen darf, und mich persönlich am meisten nervt, die ganzen Zuckerbomben bringen zwar den Zucker nach oben, haben aber auch eine Menge Kalorien. Hallo Hüftgold.

Ilka Gdanietz

Langzeit-Diabetikerin und Nutella-Freund. Ilka ist bei mySugr für die deutschsprachige Kommunikation zuständig und privat unter www.mein-diabetes-blog.com zu lesen.