Diabetes Wissen

Was du als Typ-2 Diabetiker über den HbA1c wissen solltest

27.1.2015 von Markus Berndt

Der sogenannte Langzeitzucker, kurz HbA1c, gibt Auskunft über die Blutzuckereinstellung der letzten 4-12 Wochen (durchschnittlich 8 Wochen). Er ist so etwas wie das Blutzuckergedächtnis.

Der HbA1c ist so gut wie unbestechlich, unbarmherzig, und man kann ihn nicht überlisten. Er ist keine Momentaufnahme deines Blutzuckerwertes zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern gibt dir Aufschluss über die gesamte letzte Periode. Der HbA1c ist zwar nicht das „Maß aller Dinge“, aber einen besseren Indikator wirst du so schnell nicht finden.

Wissenschaftlich ausgedrückt gibt dir der HbA1c Aufschluss über den prozentuellen Anteil am Gesamt-Hämoglobingehalt in deinem Blut. Je länger dein Blutzucker erhöht ist, desto mehr verzuckert das Blut und der HbA1c steigt.

Verzuckertes Blut
HbA1c selbst bestimmen?

Den HbA1c kann man aus den selbst gemessenen Blutzuckerwerten leicht errechnen (bitte beachten, dass es sich hier nur um Punktmessungen handelt und das Ergebnis vom eigentlichen HbA1c, durch ein Labor gemessen, abweichen kann), eine Umrechnungsmöglichkeit dazu findet Ihr auf diabetesade, rechts oben. Ich persönlich halte das für sehr wichtig, nur so könnt Ihr Monsterjäger im Überblick behalten, ob Ihr Euer Ungeheuer gut im Griff habt.

 

Die nationalen Versorgungsleitlinien für die Therapie bei Typ-2 Diabetes sagen folgendes:

→ Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes soll zur Prävention von Folgekomplikationen ein HbA1c-Korridor von 6,5 % bis 7,5 % unter Berücksichtigung der individualisierten Therapieziele angestrebt werden.

Die nachfolgende WHO-Tabelle stellt eine Vergleichsmöglichkeit zu „normalen“ Blutzuckerwerten dar. Beachtet dabei vor allem auch die postprandialen Werte (2 Stunden nach dem Essen), den Grund dafür erkläre ich weiter unten:

HbA1c
Am „gesündesten“ dürfte ein HbA1c Wert zwischen 6% und 8% sein.

Sowohl höhere, wie auch niedrigere Werte konnten eindeutig mit einer vermehrten Anzahl an Herzinfarkt, Schlaganfall und auch Tod in Zusammenhang gebracht werden. Besonders beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass im Vergleich zu Patienten, die nur mit einer Diät behandeln wurden, die Rate von Ereignissen bei einer Insulin-Therapie um das 2,6-fache, und bei Behandlung mit Sulfonylharnstoffe-Präparaten um das 1,5-fache höher lag.

Hba1c Ziele sind individuell

Selbstverständlich dienen diese Richtwerte nur zur Orientierung, viel wichtiger ist eine individualisierte Therapieform. Diese berücksichtigt die persönlichen Lebensumstände, eine etwaig notwendige Harmonisierung der Medikamentationen, Ernährungsberatung u.v.m. Vor allem wird jedoch auch ein individuelles HbA1c Ziel definiert, dass essentielle Parameter wie das Alter und den individuellen Lebensstil jedes Einzelnen berücksichtigt.

Um das Monster zu zähmen, ist es meiner persönlichen Meinung nach von essentieller Bedeutung, Blutzuckerspitzen zu vermeiden. Starke Blutzuckerschwankungen schädigen nachhaltig die Gefäße, und können somit Mitverursacher unangenehmer Spätfolgen sein.

Es ist nicht unbedingt notwendig, „weltmeisterliche“ Blutzuckerwerte anzustreben, sondern eher auf die Schwankungsbreite der Werte zu achten. Es ist Nonsens, ausschließlich auf den Nüchternblutzucker zu achten. Über hohe Nüchternwerte habe ich übrigens bereits hier berichtet. Immer mehr Wissenschaftler sind der Meinung, dass vor allem der postprandiale Blutzucker viel aussagekräftiger ist. Ich schließe mich dieser Meinung zu 100% an, denn gerade dieser Wert „erzählt“ mir, wie ich mein vorangegangenes Essen vertragen habe, und ob es zu starken Blutzuckerschwankungen geführt hat.

So wichtig und aussagekräftig der HbA1c auch ist, birgt er doch eine nicht zu unterschätzende „Unschärfe“ in sich und lässt auch Trugschlüsse zu. Denn schließlich berücksichtigt er „nur“ den Mittelwert einer bestimmten Zeitperiode, ohne einzelne „Höhenflüge“, oder Hypos auszuweisen. Sollte jemand also einen supertollen Langzeitzuckerwert haben, heißt das noch lange nicht, dass auch die einzelnen Werte immer monstermäßig gut waren. Denn waren in der gleichen Periode häufig Unterzuckerungen der Fall, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auch des Öfteren zu hohe Blutzuckerwerte aufgetreten sind.

Vorsicht: Es wird so unter Umständen fälschlicherweise eine optimale Einstellung vorgetäuscht. Daher sollten zu jedem HbA1c zusätzlich immmer die gemessenen Blutzuckerwerte unter die Lupe genommen werden.

Sicherheit verschafft hier nur häufige Selbstkontrolle – sprich öfter Piksen, ihr Zuckerhelden. Von dieser möglichen Täuschungsgefahr sind natürlich nur Monsterjäger, die unterzuckerungsverursachende Medikamente oder Insulin nehmen, betroffen. Denn ausschließlich Hypos können die BZ-Werte so tief drücken, dass die Ergebnisse dadurch möglicherweise irreführend sind.

Merke: Ein guter HbA1c bedeutet nicht notwendigerweise eine gute Blutzucker-Einstellung!

Markus Berndt