Typ 2

Psychische Belastung und Motivation bei Typ-2 Diabetes - Unterstützung ist wichtig!

10.4.2015 von Markus Berndt

Diagnose Diabetes, was nun? Diese Frage steht symptomatisch für eine Situation, die zumindest anfangs das gesamte Leben verändert. Und zwar nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der Familienangehörigen.

Im Jahr 2012 wurde die bis dato umfangreichste Studie betreffend psychosozialer Belastung bei Diabetes durchgeführt, und endlich wurden erstmals auch die Erfahrungen von Angehörigen mit berücksichtigt. Die sogenannte Dawn Studie zeigte unter anderem auf, dass Angehörige vor allem davor Angst haben, dass sich bei ihren Verwandten mit Diabetes schwerwiegende Folgekomplikationen entwickeln könnten. Einen Blog Beitrag zur Dawn2 Studie findet ihr hier bei Manuela, “Typ F”-Diabetikerin (der Freunde- und Familie Typ).

Diabetes und Psyche

Diabetes und Psyche ist nicht zu unterschätzen. Oft setzen sich Diabetiker leider selber einem enormen psychischen Druck aus.. So möchte man sich nur ungern als zuckerkrank „outen“, und hat dadurch wenig Gelegenheit, sich mit anderen Menschen über die eigenen Ängste, Sorgen & Gedanken auszutauschen. Zusätzlich fühlen sich immer mehr Diabetiker diskriminiert, und erleben eine gewisse Intoleranz gegenüber ihrer Erkrankung. Diabetes wird innerhalb der Familie oftmals zum Streitpunkt, das zermürbt Familienmitglieder wie Diabetiker gleichermaßen. Isolation, Intoleranz, Diskriminierung, Streit - der Schritt in die Depression ist ab diesem Zeitpunkt ein denkbar kleiner. Die eigene Situation erscheint immer auswegloser, aus der physischen Belastung ist zusätzlich eine psychische erwachsen. Um nicht in diesem Teufelskreis gefangen zu werden, ist Motivation gefragt! Und das gefestigte Wissen, dass man mit Typ-2 Diabetes mindestens genauso gut leben kann wie ohne. Es klingt vielleicht abgedroschen, ist jedoch immer noch sehr treffend: Ob „das Glas halbvoll oder halbleer“ ist, wird unsere eigene Entscheidung sein. Wir bestimmen selbst, wie wir mit unserer Situation umgehen, und somit auch, wie unsere Umwelt auf uns reflektiert.

Diabetes als Chance

Jap, genau. Eine Chance. Du hast die Möglichkeit vieles zu verändern und neu anzufangen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass selbst im fortgeschrittenen Alter (ich werde dieses Jahr 48 Jahre „alt/jung“) der Körper erstaunliche Veränderungen durchlebt und sehr rasch auf positive Impulse, wie bessere Ernährung & Bewegung reagiert. Nicht nur die Insulinresistenz wird so mitunter reversibel, auch das Gesamtwohlbefinden verbessert sich massiv. Und so wird aus dem Teufelskreis rasch ein “Motivationskreis”. Wir lernen, uns mit der veränderten Situation als Diabetiker nicht nur abzufinden, wir erleben sie als Reise in ein neues, verändertes Leben. Ein viel besseres Leben! Auf in in den Kampf, Monster-Zähmer!
Diabetes and Support_2

Du bist nicht allein

Der Mensch ist nicht zum Singular-Dasein bestimmt, er fühlt sich in der Gruppe wohl. Er möchte Erfolg und Misserfolg teilen, und erwartet sich Feedback & Reflexion auf seine Handlungen. All das erleben wir am intensivsten im Kreise unserer Liebsten, innerhalb der Familie. Die Familie sollte von Anfang an informierter Teil der neuen Situation sein, und als starkes Glied der Kette Unterstützung geben, wo sie benötigt wird. Das ist gerade am Anfang von immenser Wichtigkeit, damit wir alle stets die Sicherheit besitzen: Wir sind nicht allein! Wer lieber mit guten Freunden seine Erfahrungen austauscht, soll es tun, wer die Diskussion in Selbsthilfegruppen vorzieht, soll es tun. Die Hauptsache ist: DU BIST NICHT ALLEIN! Wichtig ist, aus dem Diabetes kein Tabu-Thema zu machen, sondern möglichst viele vertraute Menschen mit einzubeziehen. Diabetes ist eine Krankheit, von der mittlerweile fast 400 Millionen Menschen betroffen sind. DU BIST NICHT ALLEIN! Du hast diesen Blog gefunden. So wie viele andere vor Dir, und viele andere nach Dir hier auch noch Teil der Community werden. DU BIST NICHT ALLEIN!

Markus Berndt