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Typ-1 Diabetes und Vererbung

11. März 2019 von Ilka Gdanietz

“Mit großer Wahrscheinlichkeit”, was heisst denn das eigentlich? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Typ-1 Diabetes den Diabetes an ihre Kinder weiter vererben?

Zunächst mal ist eigentlich das Wording schon falsch, denn es wird nicht der Diabetes vererbt, sondern lediglich die genetische Disposition, also die Veranlagung möglicherweise einen Diabetes zu entwickeln, kann vererbt werden. Ob er dann tatsächlich auch ausbricht, ist eine andere Geschichte. Also mögliche Ursachen, die zum Ausbrechen eines Typ-1 Diabetes führen, werden zum Beispiel Umwelteinflüsse wie Nahrung oder Virusinfektionen vermutet. Interessant aber auch der Fakt, dass circa 90% aller Menschen mit Typ-1 Diabetes überhaupt gar keinen weiteren Typ-1 Diabetes Fall in der Familie oder Verwandtschaft haben.

Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem man über Familienplanung nachdenkt, wir das Thema Vererbung für viele Diabetiker und Diabetikerinnen natürlich präsenter denn je.

Das Geschlecht spielt eine Rolle

…und damit ist nicht das Geschlecht des Kindes gemeint, sondern das Geschlecht des Elternteils mit Diabetes.

Liegt Diabetes bereits in der Familie, ist dies mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko des Kindes verbunden. Wichtig zu wissen: Als Elternteil kann man den Ausbruch der Krankheit nicht beeinflussen! Es macht also keinen Sinn, sich Vorwürfe zu machen!

Allgemein haben Kinder, deren Eltern oder Geschwister an Diabetes erkrankt sind, ein Risiko von 3-8% ebenfalls an Diabetes zu erkranken (im Vergleich: Allgemeinbevölkerung 0,3%)

Wenn der Vater Diabetes hat

…dann ist das Risiko, dass der Nachwuchs auch Typ-1 Diabetes bekommt 2-3 Mal so hoch, im Vergleich dazu wenn die Mutter Typ-1 Diabetes hat.

Wenn beide Elternteile Diabetes haben

…steigt das Risiko für einen Typ-1 Diabetes auf 10-25% an.

Nachweis von Antikörpern

Ob jemand das Risiko besitzt an Diabetes zu erkranken, lässt sich heute durch den  Nachweise spezieller Antikörper im Blut nachweisen (schon Jahre vor dem Blutzuckeranstieg sind bei den betroffenen Personen Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Betazellen) vorhanden). Der Nachweis von Antikörpern weist darauf hin, dass sich in der Bauchspeicheldrüse entzündliche Prozesse abspielen, was irgendwann zu Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen führt. Glück für diejenigen Angehörigen eines Typ-1 Diabetikers, bei denen keine Antikörper nachgewiesen werden können. Das Erkrankungsrisiko liegt bei unter 1%.  

Die Frage die man sich bei der Durchführung des Tests allerdings stellen sollte ist, ob man das Ergebnis wirklich wissen will, denn selbst wenn ein Risiko besteht, sind bisher keine wirksamen Maßnahmen erforscht, die den Ausbruch verhindern könnten.

Good to know: 

Typ-1-Diabetes ist eine Erkrankung, bei der viele verschiedene Gene eine Rolle spielen. Derzeit sind mehr als 50 krankheitsrelevante Genorte bekannt, die einen Einfluss auf die Immunantwort zu haben scheinen. Ein Gen, welches dabei besonders hervor sticht, ist das HLA-Gen. Das HLA-Gen (Humane Leukozyten Antigene) vermittelt das stärkste Risiko für die Erkrankung.

Mehr Infos zur Früherkennung gibt u.a. in der Freder1k-Studie oder in der FrIda Studie.

 

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