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Mit der Insulinpumpe auf der Ski-Piste

18. Jänner 2015 von Ilka Gdanietz

Nun hat er das erste Mal seine “externe Bauchspeicheldrüse” auf Schnee und Wintersport-Tauglichkeit geprüft. Ich hab ihn mal ein wenig über seine Eindrücke und Erfahrungen ausgequetscht…

Die Ausgangssituation: Sportliches Skifahren! Patch Pumpe, Dexcom CGM, (Backup: Lantus, Novo Rapid).

Na Anton, erzähl mal. Alles gut gelaufen? Hast du dein Insulin anpassen müssen?

Anton: ,,Lief alles wie geschmiert. Mit der Basalrate musste ich natürlich etwas experimentieren.
Da ich sportliche Aktivität gewohnt bin, weiss ich ungefähr wie mein Körper auf welche Intensität von Anstrengung reagiert.
Für mich hat sich eine deutliche Reduktion der Basalarate während des Skifahrens als optimal erwiesen. Ebenso eine geringe Reduktion nach dem Skifahren. Mit der Reduktion habe ich begonnen, sobald ich im Sessellift saß. Also knapp eine halbe Stunde vor der ersten Abfahrt.
Das hat bei mir immer ganz gut gepasst. Das kann natürlich bei jedem anders sein.”

Äh, wie jetzt? Du hast alles rein über die Basalrate geregelt, oder beim Essen auch was verändert?

Anton: ,,Naja, Skifahren kann schon sehr anstrengend sein. Um auf der Piste ordentlich Gas geben zu können, sollte man das Frühstück nicht zu mager ausfallen lassen. Skifahren kostet Kraft. Trotz der Basalsenkung, habe ich für meine BEs trotzdem nicht die übliche volle Ladung gepumpt, sondern den BE Faktor reduziert. Das sind rein persönliche Erfahrungen. Körperliche Aktivität verstärkt (verdreifacht) die Wirkung von Insulin. Auch hier muss man ein wenig probieren, denn zu wenig Insulin lässt den Blutzucker nach oben schnellen. Und ein Blutzucker von 300mg/dl auf der Piste macht auch keinen Spaß.
Für mich persönlich habe ich heraus gefunden, dass langsamwirkende Kohlenhydrate ganz gut funktionieren, um den Blutzucker auf der Abfahrt stabil zu halten. Vollkorn, fettiger Joghurt (nicht die Magervariante) mit Obst zum Beispiel. Außerdem habe ich einen Spritz-Ess-Abstand (SEA) von circa 20 Minuten eingehalten.
Vor der ersten Abfahrt habe ich noch einmal erneut den Blutzucker gecheckt, um nicht im Blindflug die Piste runter zu sausen. Versteht sich eigentlich von selbst. Lag ich unter 200mg/dl, gabs noch 2 Sport BE oben drauf. Was für einen selber die optimale Lösung ist, muss jeder selbst austüfteln. Auf jeden Fall ist die körperliche Beanspruchung beim Skifahren nicht zu unterschätzen.”

 

Und Hüttengaudi? Germknödel und der ganze Kram?

Anton: ,,Aber hallo! Alles kein Problem. Als Diabetiker muss ich eh auf nichts verzichten und auf Tiroler Gröstl und die üblichen Schmankerl auf der Hütte schon mal gar nicht. Außerdem macht Skifahren super hungrig.
Auch hier gilt, Vorsicht mit dem Insulin. Wie schon beim Frühstück habe ich auch hier meine BE-Faktoren reduziert.”

Wo hast du den Omnipod beim Skifahren getragen?

Anton: ,,Für gewöhnlich trage ich ihn am Oberschenkel. Beim Skifahren, bzw. bei kalten Temperaturen allerdings suboptimal. Spätestens nach 4 Stunden funktionierte der Omnipod nicht mehr und ich piepte dann nur noch über die Piste. Also habe ich mich für die zukünftigen Tage für den Arm entschieden. Das hat gut geklappt. Ich rate aber jedem immer einen Pen dabei zu haben. Sicher ist sicher.”

Beim Skifahren kommt man ordentlich ins Schwitzen. Fixierst du deinen Pod extra?

Anton: ,,Den Pod nicht, den Dexcom Sensor schon. Da bevorzuge ich ein Physio-Tape.
Dann hält der CGM Sensor auch einen Saunagang durch. Den Pod kann man in der Sauna allerdings nicht tragen, da das Insulin dann zu warm wird und verdirbt. Das ist ziemlich blöd, denn das bedeutet, ich muss den Pod jeden Tag auf der Piste mit anschließendem Sauna-Gang wechseln. Wenn man also wirklich vor hat in die Sauna zu gehen, dann macht es Sinn die Sauna Gänge zeitgleich mit einem Pod-Wechsel zu planen. Wer auf das tägliche Saunieren nicht verzichten möchte, für den macht es vielleicht sogar Sinn, für die Zeit des Ski-Urlaubs auf ICT umzustellen. Für mich wäre das aber für die kurze Zeit zu umständlich denke ich. Ein anderer Pod-Träger hat mir mal den Tipp gegeben, um den Pod ein nasses, kühles Handtuch zu wickeln. Das werde ich noch mal ausprobieren.”

Hast du sonst noch Tipps, was man mit Diabetes auf der Skipiste noch beachten sollte.

Anton: ,,Auf jeden Fall immer genug extra Kohlenhydrate dabei haben. Ich finde die Gels und Powerriegel praktisch. Mit Traubenzucker kann man mich jagen. Außerdem steh ich nicht auf die Brösel in der Tasche.”

Und dein Fazit bezüglich Pod und Piste?

Anton: ,,Generell auf jeden Fall kein Problem. Sicher gibt es Vor- und Nachteile. Damals mit ICT (Intensivierte konventionelle Therapie) habe ich zum Beispiel deutlich mehr essen müssen, um den Blutzucker während des Sports stabil zu halten. Das kann man mit einer Insulinpumpe super gut über die Basalrate regeln. Dafür waren aber Sauna-Gänge unter ICT spontaner möglich.”

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