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Ist der HbA1c ein gemeiner Lügner?

17. Mai 2018 von Ilka Gdanietz

Nun, der HbA1c kann manchmal ein echtes Mysterium sein und bei vielen von uns gleicht die Ermittlung des HbA1c-Wertes manchmal der Öffnung eines Überraschungseis. Da kann man rütteln und schütteln wie man will, oft ist was völlig anderes drin als man erwartet. Und überhaupt, sagt der HbA1c eigentlich immer die Wahrheit über die Blutzuckereinstellung aus? Surprise, surprise…nein, tut er nicht!

Der HbA1c erzählt oft nur die halbe Wahrheit

Generell gibt der HbA1c dir und deinem Arzt einen groben Eindruck über die Blutzuckereinstellung der vergangenen 8-12 Wochen. Der HbA1c wird oft als die Zahl der Zahlen angesehen, der sogenannte Goldstandard. Allerdings erzählt der HbA1c oft auch nur die halbe Wahrheit, weshalb es sich lohnt auch mal genauer hinter die Kulissen dieser oft gefürchteten Zahl zu gucken.

Der HbA1c ist Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), das chemisch mit Zucker verknüpft ist. Bei gesunden Menschen liegt der HbA1c-Wert um fünf Prozent. Das heißt, dass etwa fünf Prozent des Hämoglobins verzuckert sind. Die Verzuckerung des Hämoglobins ist abhängig von der Höhe des mittleren Blutzuckers, also von einem Durchschnitt!

Versetze dich mal in den Mathematikunterricht zurück (huch ,ich bekomme gerade eine Gänsehaut) und versuche dich zu erinnern, wie eine solche Durchschnittsermittlung funktioniert. Na? Klingelt es? Genau, man addiert alle Werte und teilt sie durch die Anzahl der Werte. Heraus kommt der Durchschnitt.

Jap, und da der HbA1c eben wirklich nur sowas wie ein Durchschnitt ist, kann es also sein, dass er aus ganzen vielen guten Blutzuckerwerten besteht, oder eben aus vielen hohen und vielen tiefen Werten. Das Mittel, also der HbA1c, ist in dem Fall gleich.

Oder anders gesagt: eine Person mit einer stabilen Blutzuckereinstellung (das heißt mit einer niedrigen Standardabweichung) kann genau den gleichen HbA1c haben, wie jemand bei dem der Blutzucker extrem stark schwankt (hohe Standardabweichung), die Blutzuckereinstellung aber in dem Fall viel schlechter ist. Ein HbA1c von 7,2%, der mit stabilen Blutzuckerwerten erreicht wurde, muss also nicht zwangsläufig eine schlechtere Einstellung bedeuten, als ein HbA1c von 6,7% der mit großen Schwankungen, also vielen hohen Werten und vielen Unterzuckerungen erreicht wurde. Wir haben das mal in einer Grafik veranschaulicht:

 

Schematische Darstellung HbA1c 

Wie sieht es zwischen den Blutzuckermessungen aus?

Da tappen wir auch oft im Dunkeln, denn die meisten Diabetiker messen ihren Blutzucker meist nur zu den Mahlzeiten, was aber dazwischen passiert, bleibt oft ungesehen und postprandiale Spitzen (also der Blutzucker nach dem Essen) unerkannt. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn regelmäßige postprandiale Blutzuckerspitzen, auch wenn sie nur von kurzer Dauer sind, können sich in der Summe langfristig negativ auf den HbA1c auswirken1.

Postprandiale Blutzuckerhöhenflüge lassen sich heute zum Beispiel mit sehr schnell wirkenden Insulinen und einem richtig ermittelten Spritzessabstand gut steuern. In diesem Artikel kannst du noch einmal genau nachlesen, was genau die Ursachen für postprandiale Höhenflüge sein können, und wie du sie verhindern kannst.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

 Selbst wenn du glaubst, dass deine Blutzuckerwerte auch zwischen deinen üblichen Blutzuckerchecks immer im grünen Bereich sind, lohnt es sich auf jeden Fall von Zeit zu Zeit ein paar extra Checks einzulegen. Glücklich dürfen sich diejenigen unter uns schätzen, die bereits ein CGM (Continuous Glucose Monitoring) oder FGM (Flash Glucose Monitoring) zu ihrem Therapie-Equipment zählen dürfen. Durch diese Systeme lassen sich Glukoseverläufe lückenlos abbilden. Zudem wird über Trendpfeile angezeigt, in welche Richtung sich der Zucker gerade bewegt, was wiederum ein rechtzeitiges und gezieltes Einschreiten ermöglicht. CGM- und FGM Systeme geben die Möglichkeit, die Stoffwechsellage viel besser einzuschätzen und basierend darauf Entscheidungen zu treffen, die mit “nur herkömmlicher Blutzuckermessung” nicht, bzw. kaum möglich wären. Mehr zum Thema CGM findest du hier.

Diabetes ist kompliziert!

Und das wissen wir bei mySugr nur zu gut, denn knapp ⅓ des Teams lebt selber mit Typ-1 Diabetes. Wir versuchen daher, dir immer möglichst viele Hilfestellungen zu geben. Die HbA1c Schätzung in der mySugr App ist zum Beispiel ein kleiner Anhaltspunkt um ein ungefähres Gefühl dafür zu bekommen, wohin die Reise gerade geht. Behalte aber immer im Hinterkopf, dass es sich hierbei um eine Schätzung handelt und diese vom Laborwert abweichen kann. Je mehr Blutzuckerwerte du in die Tagebuch App einträgst, desto genauer können wir deinen HbA1c-Wert schätzen.

Den HbA1c in die richtigen Bahnen zu lenken, ist oft eine Herausforderung, mit der man sich manchmal auch ganz schön allein oder gar aufgeschmissen fühlen kann. Deshalb scheue dich niemals, deinen Arzt oder dein Diabetes Team um Hilfe zu fragen. Da wir aber alle wissen, dass die Diabetes-Therapie nicht nur 1x im Quartal beim Arztbesuch stattfindet, sondern jeden Tag den wir mit Diabetes leben, haben wir vor einiger Zeit den mySugr Coach ins Leben gerufen, der dir auch zwischen deinen Terminen bei deinen Diabetes-Fragen direkt über die App beratend zur Seite steht. Derzeit steht das Coaching nur Kunden bestimmter Krankenkassen in Deutschland zur Verfügung, natürlich arbeiten wir aber mit Hochdruck daran, weitere Kassen mit aufzunehmen. Außerdem ist mySugr Coaching über einen Voucher Code erhältlich, welcher von Novo Nordisk gesponsert wird.

Kleine Verbesserung – große Wirkung

Zusammenfassend gesagt, der HbA1c ist eine Zahl die wenig Details preisgibt und nicht genügend über die eigentliche Blutzuckereinstellung aussagt. Es lohnt sich also immer, den HbA1c öfter auch mal zu hinterfragen und einen genaueren Blick auf seine Blutzuckerwerte, die Zeit in der man sich in seinem persönlichen Zielbereich befindet und auf die Standardabweichung zu haben. Außerdem können dir die richtigen Tools und die Unterstützung durch dein Ärzteteam und/oder Coach dabei helfen, deinen HbA1c gezielt zu steuern. Selbst kleine Verbesserungen in der Therapie können einen große Einfluss auf den HbA1c und mögliche Folgekomplikationen haben.

Monster-Tipp:

Kleiner Diabetes Hack zum Schluss: Die nächtliche Schlafphase macht einen großen Teil deiner gesamten Blutzuckereinstellung aus. ⅓ um genau zu sein. Wenn du es also schaffst, in der Nacht deine Blutzuckerwerte stabil zu halten, dann hast du schon mal ⅓ deines HbA1c-Wertes im Kasten.


1 Monnier L et al. Diab Care 2003;26(3):881-885

 

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