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3 wichtige Dinge über Diabetes und Alkohol

13. Dezember 2018 von Ilka Gdanietz

Irgendwie war ich nicht ganz bei der Sache und habe mir bezüglich dem Alkohol und den Blutzucker keine Gedanken gemacht. Die Quittung kam prompt, als mich mein CGM in der Nacht mit einem Hypo-Alarm weckte. 38mg/dl. Ups. Was war denn da los? Diabetes und Alkohol… das ist so eine Sache. Aber soviel vorweg, Diabetiker dürfen selbstverständlich Alkohol trinken. Nur sollten dabei ein paar Sachen beachtet werden, denn der Einfluss von Alkohol auf den Blutzucker ist nicht zu unterschätzen. Nicht jeder Körper ist gleich, deshalb kann auch jeder Diabetiker etwas anders auf Alkohol reagieren. Es ist wie bei vielen Dingen, man muss Erfahrungen sammeln. Aber es schadet auf jeden Fall nicht, ein paar grundlegenden Dinge über den Einfluss von Alkohol auf den Blutzucker zu wissen.

1. Alkohol hemmt Glukose-Produktion der Leber

Zunächst einmal, Alkohol senkt den Blutzucker. Nicht sofort, sondern Stunden später. Um genau zu sein, es ist auch nicht der Alkohol selber. Alkohol beeinträchtigt die Glukoneogenese (die Neubildung von Zucker) in der Leber. Unsere Leber ist eine Art Reservespeicher für Kohlenhydrate. Diese werden als Glycogen gespeichert und über den Tag als Zucker (Glukose) ins Blut freigegeben um anderes Gewebe zu versorgen. Ist die Leber allerdings mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt, dann ist die Glukose-Produktion sowie die Glukose-Abgabe gehemmt. Heisst, im Blut befindet sich weniger Zucker, es wird also auch weniger Insulin benötigt. Schon ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung gestört. Je mehr Alkohol man trinkt, desto stärker und länger ist dieser Stoffwechselprozess der Leber gehemmt. Blöderweise lässt es sich nicht genau berechnen wie stark der Alkohol den Blutzuckerspiegel senkt, denn dies ist unter anderem auch von Geschlecht, Größe und Körpergewicht abhängig. Wer keinen klaren Kopf mehr zum nachrechnen hat, kann Promille-Rechner aus dem Internet verwenden.

Alkoholische Getränke wie Bier (das ist tatsächlich wie flüssiges Brot), lieblicher Wein, Likör usw. enthalten Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen und normalerweise einen Bolus bedürfen. Allerdings sollte der Bolus sehr vorsichtig berechnet werden, der Blutzucker steigt zwar schnell an, fällt aber später sehr schnell wieder ab. Ein Bier halt also anderen Einfluss auf den Blutzucker wie zum Beispiel Schnaps. Wichtig zu wissen, es kann noch bis zu 12 Stunden nach Alkoholkonsum zu Unterzuckerungen kommen.

2. Alkohol wirkt sich verzögert auf den Blutzucker aus

Im Durchschnitt braucht ein alkoholisches Getränk 2 Stunden um von der Leber abgebaut zu werden. Gary Scheiner, mehrfach ausgezeichneter Diabetes Berater, bzw. Cerftified Diabetes Educator, wie man in den USA sagt, und Autor von “Think like a Pancreas”, schlägt als Richtlinie für Insulinpumpenträger zum Beispiel vor, die Basalrate für jedes alkoholische Getränk für 2 Stunden um 30-50% zu senken. Heisst, Basalratensenkung für 3 Getränke beträgt 6 Stunden. Ok, das  klingt auf den ersten Blick vielleicht alles etwas kompliziert. Und wie bereits am Anfang erwähnt, jeder Körper reagiert anders. Daher, vorsichtig rantasten. Wer in Sachen Alkohol und Blutzucker noch unsicher und grün hinter den Ohren ist, dem sei geraten, das auf jeden Fall mit seinem Arzt zu besprechen.

3. Nach Alkoholkonsum ist die Glukagonspritze wirkungslos

Weils so wichtig ist, noch einmal: Im Falle einer schweren Hypo nach Alkoholkonsum ist die Glukagonspritze* völlig wirkungslos

Damit der Morgen nach der nächsten Feier nicht mit einem blutzuckermäßigen Hangover startet, hier eine paar Tipps wie ihr mit eurem Diabetes-Monster den einen oder anderen Drink genießen könnt:

1. Blutzucker nur behutsam mit Insulin senken. Lieber öfter mal zwischendurch messen.
2. Niemals Alkohol auf leeren Magen trinken, sondern zusammen mit einem kohlenhydrathaltigen Snack oder Mahlzeit.
3. Traubenzucker nicht vergessen (eh klar).
4. Wenn du vor hast das Tanzbein zu schwingen, denk daran, dass Bewegung zusätzlich den Blutzucker senkt.
5. Der Blutzucker sollte vor dem Einschlafen nicht unter 180mg/dl liegen. Der Blutzuckerabfall kann mehrere Stunden verzögert eintreten.
6. Alkohol kann die Hypowahrnehmung stark mindern. Öfter mal testen.

7. Trunkenheit und Hypos haben ähnliche Symptome. Es macht Sinn, dass ein paar deiner engsten Party People das wissen.

Außerdem gut zu wissen:
  • Frauen bauen Alkohol langsamer ab als Männer
  • In einem Gramm Alkohol stecken 7 kcal

*Glucagon ist ein Hormon und bewirkt, dass Glukose aus den Glykogenspeichern (Leber) freigesetzt wird. Dadurch steigt der Blutzucker an. Ist der Speicher jedoch erschöpft und die Leber mit dem Alkoholabbau beschäftigt, kann keine Glukose freigegeben werden.

 

Quellen u.a.:
Diabetes heute /Uni Düsseldorf
Universit of California/Diabetes Education online

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