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5 Fragen an Sonja Loos von "Wo ist Sonja"

02. Oktober 2017 von Ilka Gdanietz

Name: Sonja Loos
Diabetes-Typ: Typ-1
Jahr der Diagnose: 1989
Therapie: CSII (Insulinpumpe)
Webseite: woistsonja

1. Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was du im Zusammenhang mit Diabetes erlebt hast?

Etwas Verrücktes ist mir erst vor ein paar Wochen passiert. Ich war mit dem Auto auf der A22 unterwegs. Rechts von mir war auch ein Auto und wir sind ein Stück nebeneinander hergefahren (sie auf der Abbiege- ich auf der Geradeausspur). Und als ich nach rechts hinüber schaue, so hat die junge Frau ihren linken Arm im Fenster abgestützt und trägt einen Sensor – genau wie ich! Also auch eine Diabetikerin. 

Witzig im Zusammenhang mit Diabetes ist es eigentlich auch jedes Mal, wenn ich in meinen vierten Klassen im Biologie-Unterricht über meinen Diabetes berichte. Wie geschockt die Kids sind, wenn ich ihnen zeige, wie ich mit dem Insulin-Pen spritze oder Blutzucker mache. Aber auch schön zu merken, dass sie das auch beeindruckt, denn in Tests darüber können sie normalerweise alle meine Fragen zum Diabetes korrekt beantworten. 

Aber ich möchte auch gerne von einem schönen Erlebnis berichten: In Neuseeland habe ich an der Südspitze der Südinsel auf einem Campingplatz übernachtet. Als ich am nächsten Morgen in die Küche gehe, sehe ich eine Dame, die gerade Blutzucker misst und die Werte in ein Tagebuch einträgt. Als ich sie darauf anspreche und mich ebenfalls als Diabetikerin zu erkennen gebe, blüht sie total auf. Sie ist erst vor zwei Jahren an Diabetes “erkrankt”, erzählt sie mir und hat bisher noch keine anderen Diabetiker kennengelernt. Wir tauschen uns ein wenig über unsere Leben mit Diabetes aus und befreunden uns auf Facebook. Als ich dann ein paar Tage später wieder Internet-Zugang habe, stelle ich fest, dass sie sich in einem Facebook-Post dafür bedankt, dass ich sie in diesem kurzen Gespräch sehr inspirieren konnte und sie sehr viel über den Umgang mit Diabetes gelernt hat. 

2. Wenn du Diabetes für einen Tag abgeben könntest, wem würdest du es geben und warum?

Entweder all jenen EntscheidungsträgerInnen in großen Pharmakonzernen, denen es immer nur um die Gewinnmaximierung geht und die dabei die Idee von Banting und Best aus den Augen verlieren, Insulin und eine gesicherte Grundversorgung mit allen notwendigen Materialien für den Diabetes-Alltag für alle DiabetikerInnen zur Verfügung zu stellen. Oder vielleicht all jenen Weißkitteln, die immer noch von oben herab agieren und nicht verstehen (wollen), dass Selbstverantwortung und Wissen über den Diabetes der wichtigste Schritt zu einem funktionierenden Selbst-Management sind. Zum Glück bin ich schon lange nicht mehr solchen Ärzten über den Weg gelaufen, was mir die Hoffnung gibt, dass sie eine “aussterbende Spezies” sind. 

3. Welche Tipps würdest du anderen Diabetikern mit auf den Weg geben? 

Lass dich von deinem Diabetes nicht einschränken. Und lass dich vor allem nicht von Menschen einschränken, die glauben, dass dein Diabetes dich einschränkt. Wenn dich dein Diabetes runterzieht – und das tut er manchmal – dann versuche die positiven Nebeneffekte zu sehen: wir wissen unheimlich gut über die Vorgänge in unserem Körper Bescheid, wir haben logisches Denken perfektioniert (Insulin berechnen inklusive Korrekturen und Sport und oder Stress einberechnen), wir sind mental stark (immerhin müssen wir mit unerklärlichen BZ-Schwankungen umgehen), wir können Nahrung gut einschätzen, … 

Probier alles aus, was dich interessiert! Das Leben ist viel zu kurz, um sich nur Gedanken um den Diabetes zu machen und sich nicht zu trauen. Ich sehe Diabetes als wichtige Nebensache in meinem Leben, ich habe ihn immer im Hinterkopf, sodass ich eine gute BZ-Einstellung habe, aber er dominiert ganz sicher nicht mein Leben. Und manchmal nehme ich mir auch Auszeiten vom Diabetes, da ist es dann okay, wenn der BZ nicht so gut ist. 

4. Was ist die bekloppteste Heilungs-Geschichte die dir jemand unterjubeln wollte?

Da muss ich zugeben, dass ich mir solche Heilungs-Geschichten nicht merke. Irgendwie scheine ich auf diesem Ohr taub zu sein oder mein Gehirn blockiert jegliche Gerüchte-Aufnahme in dieser Beziehung. Natürlich kommen immer wieder Leute zu mir und sagen: “Hast du schon gehört, dass ..” oder “Ich habe gehört/gelesen/gesehen, dass …” Das hört sich dann in etwa so an, wie “Morgen lasse ich mir Kiemen implantieren und lebe dann mit Delfinen”. Aber halt irgendwie nicht so originell, weil es mir immer vermittelt “Ach du Arme, du musst ja dein ganzes Leben mit dieser abscheulichen Krankheit leben” und das empfinde ich nicht so.

5. Und zum Schluss, wenn du die mySugr App nutzt, was gefällt dir besonders oder was könnte besser sein?

Mir gefällt die Animation des Monsters irrsinnig gut, ich freue mich immer, wenn es mir bei einem Unterzucker zuruft “Los, Essen, schnell!” oder wenn ich eine Mahlzeit geloggt habe, freut es sich am Essen genauso wie ich.
Ebenfalls taugen mir die Challenges sehr, vor allem die Monster zähmen-Challenge bringt mich dazu, meinen Diabetes besser in Zahlen zu fassen und wenn ich das mache, dann kann ich definitiv meinen HbA1c verbessern.
Prinzipiell finde ich die grundlegende Idee der App wirklich genial, weil sie DiabetikerInnen durch positives Feedback und spielerisches Loggen der Werte dazu bringt, die BZ-Einstellung zu verbessern.
Verbesserungsvorschlag: Viel gibt´s da eh nicht, eventuell wäre eine Möglichkeit, einen verzögerten Bolus einzugeben, noch super, denn das tue ich doch sehr regelmäßig. Noch mehr Challenges wären auch großartig, denn die motivieren mich wirklich. Auch cool wären Challenges nach dem Gaming-Prinzip, dass erst neue Challenges freigeschaltet werden, wenn davor andere Challenges geschafft wurden.
Schade für mich persönlich ist nur, dass mein Handy leider nicht NFC-fähig ist und ich es nicht zum Auslesen des Freestyle Libre nutzen kann :-(.

 

 

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