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10 Tipps wie man richtig über Diabetes berichtet

06. März 2015 von Fredrik Debong

Das Thema Diabetes richtig anzupacken ist gar nicht so einfach. Kleine Fehler, ein vergessener Buchstabe, eine ungünstige Abkürzung…und zack wird man regelrecht getoastet.

Fragt mal Jamie Oliver. Eigentlich wollte der mit seiner Kampagne Diabetes ein wenig mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Hat er auch, ist dabei aber in ein tiefes Fettnäpfchen getrampelt. Einfach weil ein kleines Detail nicht beachtet wurde: es gibt 2 Diabetes-Typen. Und BAM…die Menge tobte, die Sache nahm ihren Lauf… Autsch!

Ok, lasst uns ein paar Basics festhalten. Nicht dass dir das auch passiert.

10 Tipps wie du die beliebtesten Fettnäpfchen und Fallstricke bezüglich Diabetes vermeidest

Wenn du über Diabetes oder Leute mit dieser Krankheit schreibst, behalte diese paar Sachen im Hinterkopf:

  1. Wir leiden nicht an Diabetes, aber wir leben mit Diabetes
  2. Es gibt 2 unterschiedliche Typen von Diabetes. Vermische sie nicht! Ernsthaft. Dieser Fehler wird mit Mob-Equipment wie Fackeln und Mistforken geahndet. Eine sehr emotionaler Punkt. Weiter unten findest du eine detaillierte Beschreibung beider Typen.
  3. Es ist nicht die Schuld des Patienten
    –> Bei Typ-1 Diabetes ist die Entstehung noch nicht geklärt
    –> Bei Typ-2 Diabetes kann der Lebensstil eine große Rolle, aber eben auch stark Genetik und Zufall
  4. Wir messen nicht unser Insulin, wir messen unseren Blutzucker
  5. Eine Hyperglykämie – ein hoher Blutzucker – bringt uns nicht so schnell um die Ecke wie es gern in Filmen gezeigt wird. Die wollen nur immer das Script spannender machen. Drama eben. Bloody Bastards!
  6. Eine Hypoglykämie – ein niedriger Blutzucker – kann dich in ziemlich unangenehme Situationen bringen. Normalerweise kommen wir damit klar. Aber manchmal brauchen wir Hilfe. Danke.
  7. Insulin. Das ist wirklich das LETZE was wir bei einer Hypo(glykämie) brauchen! Zucker wäre übrigens die richtige Wahl.
  8. Etwas wie eine spezielle “Diät für Diabetiker” gibt es nicht. Wir können alles essen was andere auch essen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung schadet uns genauso wenig wie dir.
  9. Wir sind nicht arm dran, schwach oder so. Eigentlich sind wir sogar ziemlich großartig, auch wenn es uns täglich knapp 2 Stunden kostet den ganzen Kram zu managen.
  10. Mit schlecht oder falsch recherchierten Fakten kann der Schuß ordentlich nach hinten losgehen. Die NYT hat es einst vorgemacht, und wurde auf wunderbar sachliche Weise von Kelly Close und diatribe.org, sowie “ein oder zwei” anderen Freunden ordentlich
    gekontert. Big Autsch!

 

Über Diabetes

Es gibt unterschiedliche Typen, unterschiedliche Ursachen, unterschiedliche Behandlung.
Der Blutzucker steigt, wenn wir bestimmte Dinge essen: Kohlenhydrate, Eiweiss, Fett.
Insulin lässt den Blutzucker sinken.
Diabetes bedeutet, in irgendeiner Weise geht der Körper nicht so mit Insulin um wie er sollte. Diabetes geht nicht einfach so wieder weg, denn Diabetes ist eine chronische Erkrankung.
Weltweit gibt es knapp 400 Millionen Diabetiker, unterteilt in 2 Haupt-Typen (und einige Untergruppen, aber das ginge jetzt zu weit).
Circa 40 Millionen haben Typ-1 Diabetes. Der Körper greift sich regelrecht selber an – Diabetes Typ-1 ist eine Autoimmunerkrankung.
360 Millionen Menschen haben Typ-2 Diabetes, der Körper ist insulinresistent. Wir haben das in diesem Video mal genau erklärt.

Entweder muss also die Insulinresistenz herab gesetzt werden (Typ-2), oder der Blutzucker auf verschiedene Art in Zaum gehalten werden (Typ-1, und in manchen Fällen auch später Typ-2).
Und wenn es wirklich wirklich schief läuft, dann kann es im schlimmsten Fall leider auch Bye Bye Fuss heißen. Halt das, worüber man überall liest. Stichwort Folgekomplikationen.
Wenn aber alles gut läuft, dann können mindestens genau so alt und runzelig werden wie alle anderen auch. Vorausgesetzt wir haben ein wenig ein Auge darauf was wir essen und bleiben in Bewegung.

Fakt ist aber, egel welchen Diabetes Typ man an der Backe hat, die Therapie ist ätzend.

Typ-1 Therapie

Die Therapie ist zeitaufwendig und auf lange Sicht ziemlich anstrengend:
Um unseren Blutzuckerwert herauszufinden, piksen wir uns in den Finger.
Je nach Ergebnis spritzen wir Insulin um den Blutzucker zu senken, oder essen etwas um ihn zu erhöhen.
Egal ob Hauptmahlzeit oder der Snack zwischendurch, wir schätzen die in der Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate und berechnen dementsprechend dafür die benötigte Insulinmenge.
Ums mal ganz übertieben dramatisch auszudrücken, wir treffen täglich circa 20 Mal die Entscheidung über Leben und Tod.
Aber ganz ehrlich, ganz so dramatisch ist das nicht, wenn…

    • wir eine gute Kontrolle haben
    • wir Zugang zu allen Sachen haben die wir benötigen
    • wir die richtige Grundlagen-Ausbildung haben
    • wir die richtige Einstellung gegenüber Diabetes haben

Ohne der richtigen persönlichen Einstellung, spielt es keine Rolle zu welcher Technologie wir Zugang haben, oder wie viel wir wissen. Dank Technologie und Wissenschaft sind wir Diabetiker am Leben. Und eigentlich sind wir die Pioniere der Quantified Self-Bewegung.

Typ-2 Therapie

Insulinresistenz lässt sich durch Bewegung, Ernährung und, wenn nötig, durch Medikamente herabsetzen.
Im frühen Stadium kann man das Voranschreiten verhindern, sodass keine Medikamente benötigt werden.
Wenn Bewegung und Ernährung keinen Erfolg zeigen, müssen Medikamente genommen werden. Entweder reichen Tabletten aus, oder es muss ein paar Mal die Woche Insulin gespritzt werden.
Später kann es dazu kommen, dass die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse komplett zum Stehen kommt. Insulinspritzen sind dann unumgänglich – die Therapie ist dann fast genau wie bei Typ-1 Diabetes.

Diabetes Typen

Über Diabetes zu berichten…
…muss nicht sonderlich schwer sein. Behalte die oben genannten Tipps im Hinterkopf, hol uns Diabetiker mit ins Boot und lass ein paar Diabetiker Augen drüber gucken bevor du etwas veröffentlichst. Wir freuen uns wenn wir helfen können, auch wenn unsere Namen nicht genannt werden – schließlich helft ihr uns dadurch auch.

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