Alltag mit Diabetes

Wie sich Diabetes und die Wechseljahre gegenseitig beeinflussen

27.3.2019 von Jessica Schmidt-Herzel

Schweißausbrüche, Herzrasen und Gewichtszunahme - das was die Wechseljahre mit sich bringen ist nicht unbedingt angenehm. Frauen mit Diabetes, egal ob Typ-1 oder Typ-2, kommen statistisch gesehen auch etwas früher in die Wechseljahre, als Frauen ohne Diabetes. Diabetes Coach Jessica gibt Tipps wie man am besten mit der neuen Lebensphase klarkommt.

Die Menopause, auch Klimakterium oder Wechseljahre genannt, entsteht durch die verminderte Östrogenproduktion in den Eierstöcken (Ovarien). Sie dauert zwischen 3 und 10 Jahren und setzt durchschnittlich um das 50. Lebensjahr ein. Die Wechseljahre sind definiert mit der allerletzten Regelblutung. Bei Frauen mit Diabetes kann der Start in die Wechseljahre ein paar Jahre früher einsetzen als bei Stoffwechselgesunden. Und warum? Diabetes wirkt auf den gesamten Stoffwechsel und somit auch auf die weiblichen Hormone, was vermutlich die Eierstöcke schneller heranreifen und die Wechseljahre eher eintreten lassen. Die Wechseljahre kommen in Phasen Die Menopause läuft in unterschiedlichen Phasen ab: in der ersten Phase, der Perimenopause, reduziert sich langsam die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Zum jetzigen Zeitpunkt beginnt der Zyklus unregelmäßig zu werden und die Fruchtbarkeit geht zurück. In dieser frühen Phase der Menopause kann es häufiger zu Unterzuckerungen, speziell in der Nacht, kommen. Bei vielen Frauen in den Wechseljahren kommt es zu den typischen “Wechseljahrsbeschwerden” wie Herzrasen, Schweißausbrüche und Hitzewallungen. Diese Symptome können fälschlicherweise auch als Unterzuckerungssymptome wahrgenommen werden. Also sicherheitshalber mal den Blutzucker öfter kontrollieren! Wie die Hormone den Blutzucker beeinflussen Östrogen beeinflusst die Insulinempfindlichkeit in den Zellen. Durch die geringeren Östrogenspiegel erhöht sich die Insulinresistenz und der Insulinbedarf steigt an. Östrogen senkt auch das LDL- Cholesterin. Also beeinflusst der abfallende Hormonspiegel eine Steigerung des LDL, sodass Frauen nach der Menopause ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko haben. Außerdem lässt die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron in den Wechseljahren nach. Das hat Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Muskel- und Gelenkschmerzen zur Folge. Diese Beschwerden belasten den Körper und somit wird vermehrt das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet, was auch wiederum die Blutzuckerwerte beeinflusst. Wenn Frauen mit Diabetes plötzlich unerklärliche Schwankungen des Blutzuckers bemerken, könnte das Einsetzen der Wechseljahre durchaus ein Grund sein. Tipps & Tricks für die Wechseljahre Eine ebenfalls häufige Begleiterscheinung der Menopause ist ebenfalls Gewichtszunahme (was aber auch am Alter und an der Verlangsamung des Stoffwechsels und dem somit angepassten Kalorienbedarf liegen kann). Bei vielen Frauen kommt es nach den Wechseljahren zusätzlich zu einer Fettumverteilung von der Hüfte zum Bauch, was auch Nachteile für das Herz-Kreislauf-System hat, da das Bauchfettgewebe unter anderem entzündungsfördernde Stoffe freisetzt. Ausreichende Bewegung vor allem an der frischen Luft und eine bewusst gesunde Ernährung mit viel Gemüse und guten Ölen, Vollkornprodukten und viel Wasser kann hier einiges bewirken. Am wichtigsten ist es, sich hier nicht von schlechten Werten frustrieren zu lassen - denn auch die Menopause hat ein Ende. Um das Diabetesmonster in dieser Phase etwas besser zu zähmen hilft es öfter den Blutzucker zu kontrollieren und die Insulindosis bewusst anzupassen. Und ganz wichtig: Je entspannter man bleibt desto besser! Schließlich wirken sich die Stresshormone ja auch auf den Blutzucker aus. Und noch ein Tipp: die "Tags", mit denen ihr auch eure Stimmung in der mySugr App dokumentieren könnt, helfen euch im Nachhinein auch noch die Verbindung zwischen den Blutzuckerwerten und Emotionen zu verstehen.

Jessica Schmidt-Herzel