Diabetes Wissen

BE-Faktoren berechnen und testen leicht gemacht

27.5.2015 von Anne Kainz
BB-Faktoren berechnen

Jeder kennt es. Man isst häufig das selbe Frühstück. Monsterroutine. Haferflocken mit Joghurt und Früchten. Immer genau 3,5 Broteinheiten. Doch von einem Tag auf den anderen reicht das dafür gespritzte Insulin nicht mehr aus. Das Monster feiert eine Party! Unaufgefordert!

Keine Angst vor Veränderung!

Manchmal läuft es einfach nicht mehr so wie es soll, und der Blutzucker geht seinen eigenen Weg. Man kommt ins grübeln. Woran kann es liegen? Ist es mal wieder Zeit, die Therapie-Einstellungen genau unter die Lupe zu nehmen? Die BE-Faktor zum Beispiel? Oft sind nicht die Kohlenhydrate in der Mahlzeit schuld, sondern das dazu gespritzte Insulin. Denn oft stimmen die einst errechneten Insulineinheiten pro BE nicht mehr und es ist an der Zeit den BE- oder KE Faktor neu zu berechnen. Unsere Körper sind leider keine Maschinen und somit kann sich der Bedarf an “Mahlzeiten”-Insulin schon mal ändern.

Ich habe leider in den Jahren meiner Monsterzähmer-Karriere oft den Fehler gemacht NUR bei meiner Basaleinstellung den Fehler zu suchen. Nach einigen Basalratentest, die durchaus positiv ausgegangen sind, habe ich mich aber dann mit meinem Mahlzeiten-Insulin einmal intensiv auseinander gesetzt.

Anfangs habe ich wild die BE-Faktoren, so nennen sich kurz die Insulineinheiten pro BE / KE / Kohlenhydrate, einfach mal aufgestockt oder gekürzt. Ging natürlich nach hinten los. Hypos und Hypers in einer Reihe.

Das passiert aber nicht, wenn man da ein wenig mit System rangeht und ein paar Regeln befolgt. Also, Augen auf und Tagebuch zur Hand. Dokumentation ist schon mal der erste Schritt dem Fehler auf die Schliche zu kommen. Mit den BE-Faktoren solltest du erst anfange zu hantieren, wenn du sicher bist, dass mit der Basalrate alles stimmt.

Die Vorbereitungen

  • Seit 4h keinen Bolus abgegeben und keine Mahlzeit verspeist (Stichwort Wirkdauer Insulin)
  • Blutzucker muss vor dem Test so weit wie möglich im Zielbereich sein
  • 24 Stunden vorher keine außergewöhnliche ungewohnte sportliche Aktivität
  • 24 Stunden vorher am besten auch keinen Alkohol konsumieren

Der Test kann starten

  • Bolusabgabe für eine Mahlzeit nach dem jetzt aktuellen BE-Faktor
  • Einnahme einer Mahlzeit aus reinen Kohlenhydraten (zB. 2 BE Brot oder Nudeln) Bei diesen Test-Mahlzeiten nicht experimentieren.
  • Blutzuckermessen nach 1,2,3 und 4 Stunden
mySugr Tagebuch App

Wichtig ist auch, dass der Test zu jeder Tageszeit bzw. großen Hauptmahlzeit ausgeführt werden sollte. Denn jede Tageszeit kann einen anderen BE-Faktor erfordern. Der BE-Faktor-Test kann jeder insulinpflichtige Diabetiker anwenden- egal ob Pen oder Pumpe. Spritzen müssen wir so und so.

Gut zu wissen: Unser Insulinbedarf am Morgen ist aufgrund der vermehrten körpereigenen Bildung von Cortisol erhöht. Dieses Hormon ist ein Gegenspieler vom Insulin. Das bedeutet, dass man in der Regel am Morgen für die gleiche BE-Menge mehr Insulin benötigt als z.B. mittags oder am Abend.

Die Auswertung

So wie beim Basalratentest, ist es sinnvoll alle Test 2 mal durchzuführen um Trugschlüssen aus dem Weg zu gehen. BE-Faktoren berechnen geht zwar recht flott, sollte aber gewissenhaft gemacht werden!

Nun heißt es ran an die Werte. Werft in Ruhe einen Blick auf die Testmessungen und lasst es sickern. Wenn du dir selber nicht sichr bist, wie du die Werte zu deuten hast, frag deinen Arzt oder Diabetes-Berater.

Tipp: Wenn du die mySugr Tagebuch App zur Dokumentation verwendest,  kannst auch die Suche nutzen um deinen BE-Faktoren Test ganz easy immer wieder zu finden. Dafür einfach jeden Eintrag während deinem Test mit einer Notiz "BE-Faktoren-Test" versehen.

 

Wenn du dich alleine an die Anpassung machst, ist es ratsam in kleinen Schritten das  Mahlzeiten-Insulin anzupassen. Mache keine ganzen Schritte (zB.: von 1IE auf 2IE pro BE) sondern taste dich wirklich langsam (0,1 oder 0,2 IE pro BE ) ran.

Ich selber habe vor einiger Zeit so einen Test hinter mir und habe von 1IE pro BE auf 1,5IE pro BE umgestellt, und mir eine Woche zeitgelassen damit. Zuerst auf 1,2IE und 3 Tage versucht ob es klappt. Danach auf 1,5IE erhöht.  Mit der erhöhten BE-Faktor fährt mein Monster nach dem Essen kaum mehr Achterbahn.

Sinn macht es auch mal einen Blick auf den Spritz-Ess-Abstand zu werfen. Dieser richtig eingesetzt, kann auch Achterbahnfahrten nach dem Essen abschwächen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Auch wenn es nicht auf Anhieb mit den angepassten BE-Faktoren hinhaut, nicht das Handtuch werfen. Teste ein paar Tage die neuen Faktoren (dafür genau die BE pro Mahlzeit berechnen, im Idealfall alles genau abwiegen. Geschätzte Mahlzeiten sind dafür nicht so super geeignet). Es ist ein bisschen Aufwand aber am Ende lohnt es sich!

Anne Kainz

Der Support Engel bei mySugr. Seit über 10 Jahren Typ-1 Diabetikerin und “auf Pump”.