Typ 2

Bin ich bald Diabetiker? 6 Risikofaktoren

10.1.2015 von Markus Berndt

Persönlich halte ich ja nicht besonders viel von nüchternen Statistiken, das Dumme daran ist nur, dass sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich eintreffen…

Kann man das eigene Diabetesrisiko tatsächlich kalkulieren, oder gar voraus „orakeln“? Und wenn man es nun kennt, könnte man es verringern oder den Ausbruch der Erkrankung sogar verhindern? Bevor wir uns der Antwort widmen, sollten wir einmal mehr zwischen Typ-1 und Typ-2 Diabetes unterscheiden. Typ-1 Diabetiker können die Entstehung dieser Krankheit mit nichts beeinflussen, haben jedoch gewissen Einfluss auf den Verlauf. Die Risikoeinschätzung macht hier also kaum Sinn. Typ-1 Diabetiker trifft an der Erkrankung absolut keine Schuld, sie haben einfach monstermäßig Pech gehabt – um es mal salopp auszudrücken. Bei Typ-2 Diabetes sieht die Sache etwas anders aus. Typ-2 Diabetiker, zu denen auch ich mich zähle, tragen oft einen großes Teil Eigenverantwortung und können in vielen Fällen etwas dafür tun, damit dass Diabetes-Monster gar nicht erst an die Tür klopft. Denn unter den Risikofaktoren, die für die Entstehung von Typ-2 Diabetes verantwortlich sind, ist nur ein einziger, für den man selbst nichts kann, nämlich…

1. Die genetische Veranlagung

Im Gegensatz zu anderen Erbkrankheiten führt bei Typ-2 Diabetes eine einzelne Veränderung der Erbanlage noch zu keiner Entstehung von Diabetes. Dazu sind laut sogenannten Familienstudien mehrere Veränderungen notwendig, von denen jede für sich alleine betrachtet, die Entstehung von Typ-2 Diabetes zumeist NICHT begünstigen würde. Trotzdem erkranken statistisch betrachtet 25% - 50% aller Kinder von Typ-2 Diabetikern im Laufe ihres Lebens an der Zuckerkrankheit. Wenn man nun berücksichtigt, dass z.B. in Deutschland mehr als 20% der über 70ig jährigen Bevölkerungsgruppe von Diabetes betroffen ist (Tendenz stark steigend), dann relativieren sich diese Zahlen rasch wieder. Besonders beachtenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass trotz erhöhtem genetischen Risiko bei normalen Körpergewicht und sportlicher Aktivität das Diabetesrisiko extrem gesenkt werden kann. Denn laut zahlreichen Studien liegt bei gesunder Lebensweise das Diabetesrisiko um 80 bis 90 % niedriger als im Bevölkerungsdurchschnitt. → Fastfood-Konsum mit Extra-Fett- und Extra-Zucker-Kalorien (vor allem auch in Getränken), Übergewicht und immobiler Lebensstil sind laut den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen DIE treibende Faktoren für die wachsende Zahl von Typ-2 Diabetikern.

2. Übergewicht und Bewegungsmangel

Circa 80 Prozent der Typ-2 Diabetiker sind übergewichtig. Adipositas (Fettsucht) gilt als DER entscheidende Risikofaktor für die Entstehung dieser Form der Zuckerkrankheit. Typ-2 Diabetiker haben zumeist mit einer Insulinresistenz zu kämpfen. Das bedeutet, dass die Zellen nicht mehr ausreichend auf das eigene Insulin reagieren. Die Blutzuckerwerte sind dauerhaft erhöht. Hauptverantwortlich dafür ist eine zu einseitige Ernährung in Form von rasch verfügbaren Kohlenhydraten wie Zucker und Weißmehl, da diese zu keinem anhaltenden Sättigungseffekt führt. So wird schon sehr bald erneut ein Hungergefühl erzeugt– es beginnt ein Teufelskreis. Dass Bewegungsmangel die Entstehung von Übergewicht und Diabetes begünstigt, ist längst kein Geheimnis mehr. Allzu logisch ist es daher, dass man durch sportliche Aktivitäten das Gegenteil bewirkt. Sport fördert den Zuckertransport in die Zellen, da die Zellen vermehrt Glukose benötigen. Sind die Zuckerdepots leer, fordern die Zellen Nachschub, und diese erhalten sie direkt aus dem Blut. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel sinkt. Das besonders Tolle am Sport ist jedoch, dass dieser sogar noch nach der tatsächliche Aktivität positiv wirkt. Bis zu 48 Stunden nach dem Training beziehen unsere Muskeln noch Zucker aus dem Blut → Je ausgeprägter und länger ein Mensch übergewichtig ist, desto höher ist das Diabetesrisiko einzuschätzen. Auch für die schlechte Insulinwirkung ist primär Übergewicht verantwortlich. Darum merke: Inaktivität schadet dem Körper!

3. Psychischer Stress

Obwohl es noch nicht als 100%ig gesichert gilt, ob Stress auch ein Auslöser für Diabetes ist, weiß man heute, dass Stress den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Es verschlechtert sich die Blutzuckereinstellung und auch der Insulinbedarf steigt. Depressionen, Probleme am Arbeitsplatz, Verlust- und Existenzängste und andere psychische Belastungen verschlechtern statistisch gesehen nicht nur die Blutzuckereinstellung, auch das Risiko für diabetische Spätkomplikationen ist bei dieser Form von Stress signifikant höher, als bei nicht von betroffenen Personen. → Laut einer Studie aus Schweden können speziell bei Frauen schlechte Arbeitsbedingungen die Entstehung eines Typ-2 Diabetes begünstigen

4. Rauchen

Nicht zu unterschätzen ist das Zigarettenrauchen als „Schlüsselreiz“ (auch Trigger genannt) bei der Entstehung von Typ-2 Diabetes . Rauchen beeinträchtigt den Glukosestoffwechsel und vergrößert das Risiko für eine diabetische Nephropathie. Tabakkonsum beeinträchtigt die Insulinsensitivität, statistisch gesehen haben Raucher ein bis zu doppelt so hohes Risiko, an Typ-2 Diabetes zu erkranken als Nichtraucher!

5. Schlafmangel

Laut einer amerikanischen Langzeitstudie haben diejenigen Personen, die nur 5 Stunden oder weniger schlafen, ein 1,5-mal höheres Diabetesrisiko als Menschen, die ausreichend Schlaf finden. Schlafmangel erhöht die Glukosetoleranz, und das kann angfristig zu Diabetes führen. Auch das Risiko für Übergewicht steigt durch Schlafmangel, und damit auch indirekt das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Schlechter oder zu kurzer Schlaf beeinflusst den Stoffwechsel negativ, völlig unabhängig von weiteren Risikofaktoren. Interessanterweise ging aus Studien hervor, dass weniger der Morgenzucker von der schlechten oder mangelhaften Schlafqualität beeinflusst wurde, als der Blutzuckerwert nach dem Frühstück. Dieser war signifikant erhöht, was auf eine verminderte Insulinsensitivität und einen Prädiabetes hinweist. → Gute Schlafqualität beeinflusst die Blutzuckerwerte positiv und hat eine schützende Wirkung in Bezug auf die Entstehung von Typ-2 Diabetes.

6. Medikamente

Diese können den Glucosestoffwechsel massiv negativ beeinflussen und sogar eine diabetische Erkrankung auslösen. Manche Medikamente schädigen die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, die daraufhin weniger Insulin ausschüttet. Besonders aufpassen sollte man bei manchen Antipsychotika, deren regelmäßige Einnahme nicht nur dick macht, sondern auch das Diabetesrisiko beträchtlich erhöht. Umgekehrt haben Diabetiker übrigens ein 50 bis 100 Prozent höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. Auch Betablocker, die gegen Bluthochdruck eingesetzt werden, stören den Blutzuckerstoffwechsel beträchtlich und verschlechtern die Glucosetoleranz. Von Statinen, die zur Senkung erhöhter Blutfettwerte eingesetzt werden, weiß man, dass diese die Glucosetoleranz verringern können. Man vermutet auch, dass Statine eine Insulinresistenz an den Muskelzellen bewirken, und das Risiko zu Störungen des Blutzuckerstoffwechsels erhöhen. Ebenfalls bekannt ist, dass Cortison zu einer Blutzuckererhöhung führen kann, und manche Wassertabletten wie Thiazide Einfluss auf den Blutzuckerspiegel nehmen.

Markus Berndt