Alltag mit Diabetes

Diabetes nach der Geburt und beim Stillen

27.3.2019 von Jessica Schmidt-Herzel

Neun bzw. 10 Monate lang hat sich der Körper darauf eingerichtet, das Baby auch nach der Geburt optimal zu ernähren. Die Schwangerschaft bereitet das Stillen vor. Und dann ist es soweit: Das Baby ist da - Herzlich Willkommen, kleiner Erdenbürger.

Wenn das Baby direkt nach der Geburt bei der Mama liegen darf, ist das einfach schön! Es hat aber auch ganz wichtige Wirkungen auf den neuen Menschen: die Körpertemperatur bleibt konstant, daher muss der Körper weniger Energie aufbringen, um warm zu bleiben. Außerdem erkennt das Baby den mütterlichen Herzschlag und das hilft ihm, den Pulsschlag aufrecht zu halten. Der frischgebackenen Mama hilft das “Bonding” den ersten Kontakt zum neuen Mitbewohner herzustellen.

Babys Blutzuckerkontrollen

Wenn das Baby während der Schwangerschaft erhöhten Blutzuckerwerten ausgesetzt ist, produziert die Bauchspeicheldrüse des Babys ganz aktiv Insulin für die übermäßige Zuckerversorgung durch die Mutter. Es hat im Bauch schon selbst dafür gesorgt, dass es gut mit den mütterlichen Blutzuckerwerten zurecht kommt. Nach Durchtrennung der Nabelschnur fällt diese übermäßige Zuckerversorgung weg. Die kleine Bauchspeicheldrüse kann jedoch die Insulinproduktion nicht so schnell herunter regeln und produziert möglicherweise vorerst zu viel Insulin, da erstmal kein Nachschub an Zucker kommt. Dies kann nach der Entbindung dazu führen, dass der Blutzucker des Babys absinkt: es kann unterzuckern. Daher wird bei diesen Babys, die während der Schwangerschaft höheren Werten ausgesetzt waren, routinemäßig der Blutzucker zur Sicherheit kontrolliert.

Diabetes und Stillen

Während der Schwangerschaft ist die Muttermilchbildung noch nicht in Gang. Erst mit dem Ausstoßen der Plazenta werden die Hormone ausgeschüttet, die die erste Milchproduktion anregen. Als erstes wird das Kolostrum gebildet, was das Baby in den ersten Tagen nach der Geburt trinkt. Es ist perfekt angepasst auf den Kalorienbedarf des Babys und mengenmäßig genau passend für den kleinen Magen. Das Kolostrum enthält Immunstoffe und liefert so den ersten Schutz vor Krankheiten. Stillen ist gut für das Baby und wird nicht nur Frauen mit Diabetes ausdrücklich empfohlen. Viele Frauen mit Diabetes haben jedoch Startschwierigkeiten, was die Milchproduktion angeht. Das kann an schwankenden Blutzuckerwerten liegen, am etwaigen Übergewicht der Mutter oder am PCO- Syndrom. Hierbei bedarf es einem gut geplanten Stillmanagement und einer guten Vorbereitung, damit die Milch fließt, denn das Stillen hat eine besondere Bedeutung: Müttern mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) hilft das Stillen, nach der Geburt in den folgenden Jahren das Risiko, einen Typ- 2- Diabetes zu entwickeln, zu reduzieren. Außerdem hilft es nach der Schwangerschaft das Ausgangsgewicht wieder zu erreichen und wirkt sich auch längerfristig positiv auf das Gewicht der Mutter aus. Und das nicht nur bei der Mama: wird ein Baby länger als 3 Monate gestillt, wirkt sich das auch langfristig günstig auf das zukünftige Gewicht des Kindes aus. Bei Patientinnen mit Typ-1-Diabetes wurde gezeigt, dass längeres Stillen das Risiko des Kindes verringert, ebenfalls einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Stillen ist demnach ein guter Beitrag zur Vorbeugung.

Insulintherapie nach der Geburt

Bei Müttern mit insulinbehandeltem Diabetes wird in den ersten Stunden nach der Geburt meist nur sehr wenig Insulin benötigt. Bei Frauen mit Gestationsdiabetes wird das Insulin in der Regel sogar ganz abgesetzt. Ungefähr 3 Tage nach der Entbindung ist der Insulinbedarf um ca. 20% vermindert, als vor der Geburt und das Risiko, eine Unterzuckerung zu bekommen, ist erhöht. In den ersten 24 Stunden sollte daher bei Frauen mit insulinpflichtigem Typ 1- oder Typ 2- Diabetes auch das Basalinsulin angepasst werden. Am besten wird der Blutzucker in dieser Zeit öfter kontrolliert, um Trends in der Blutzuckerentwicklung rechtzeitig mitzubekommen. Als Orientierung kann die Insulindosis von vor der Schwangerschaft um 20% oder der Bedarf von vor der Entbindung um 50% reduziert werden.

Insulintherapie während der Stillzeit

Eine Insulintherapie ist natürlich auch in der Stillzeit unproblematisch für das Baby. Insulin hat eine hohe Molekulargröße und gelangt nicht in die Muttermilch. Bei stillenden Frauen muss damit gerechnet werden, dass bis zu 25% weniger Insulin während des Stillen benötigt wird. Natürlich sollte auch während der Stillzeit eine optimale Stoffwechseleinstellung erzielt werden. Dies gelingt am Besten mit regelmäßigen Blutglukosekontrollen, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Und denkt daran, viel viel zu trinken! Denn Durst muss in der Stillzeit nicht immer für hohe Blutzucker stehen!

Jessica Schmidt-Herzel