Alltag mit Diabetes

9 Fragen an Birgit, eine frischgebackene Mama mit Diabetes

27.3.2019 von Julia Kral

Für viele Frauen mit Diabetes ist die Vorstellung einer Schwangerschaft oft mit Ängsten verbunden. Wie mühsam und kräfteraubend ist es wirklich? Wir haben mit Birgit, die mittlerweile glückliche Mama ist über ihre Erfahrungen gesprochen...

Hallo Birgit! Schön, dass du dir Zeit nimmst etwas über deine Erfahrungen zu sprechen. 1. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen? Mein Name ist Birgit, ich bin 32 Jahre alt und seit 6 Monaten bin ich Vollzeitmami mit Leidenschaft. Der Diabetes begleitet mich schon seit meinem 14. Lebensjahr. 12 Jahre lang habe ich Insulinpens für meine Therapie benutzt. Seit 6 Jahren habe ich eine Insulinpumpe und einen CGM Sensor. 2. Wie hast du dich diabetesmäßig auf deine Schwangerschaft vorbereitet als der Kinderwunsch bei dir und deinem Partner aufkam? Für eine gute und gesunde Schwangerschaft sollte der Hba1c ja idealerweise unter 6 % liegen. Meiner lag damals immer zwischen 6 und 7%. Somit musste ich mich ein wenig ins Zeug legen um diesen zu verbessern. Das gelang mir aber zum Glück relativ schnell. Öftere Arztbesuche bei meiner Diabetologin waren im Terminkalender - auch zum Zeitpunkt als ich dann schwanger war, musste ich sehr engmaschig zu Kontrollterminen. 3. Inwiefern hat sich deine Therapie verändert während der Schwangerschaft? Meine Therapie hat sich im Allgemeinen zum „guten“ verändert. Ich habe in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft kaum Insulin gebraucht. Ich war oft am Unterzuckern - das war eher eine harte Zeit für mich. Ein Rehabesuch hat mir geholfen meine Basalrate und auch mein Mahlzeiteninsulin richtig einzustellen. 4. Gab es irgendetwas das besonders schwierig für dich war während deiner Schwangerschaft? Die vielen Unterzuckerungen zu Beginn der Schwangerschaft. Sonst war es eine wirklich sehr sehr schöne Schwangerschaft für mich!
5. Wie hat sich deine Therapie dann nach der Geburt verändert? Als mein Kind zur Welt kam, war alles wie vor der Schwangerschaft. Basalrate, Bolus und Korrekturfaktor habe ich wieder in meiner Pumpe umgestellt und es lief problemlos weiter. Das war herrlich! 6. Hat dein Diabetes einen Einfluss auf dein Kind gehabt, während der Schwangerschaft? Nein hat es nicht- eher das Gegenteil- mein Kind hat mich versorgt mit Insulin in der Schwangerschaft. Kinder von Diabetikerinnen neigen jedoch stärker dazu zu unterzuckern bei der Geburt - dafür habe ich auch schon vorgesorgt gehabt. Ich konnte in der Schwangerschaft Vormilch (auch Colostrum genannt) gewinnen und für mein Kind bereitstellen. Colostrum ist die Vormilch, die ich bereits vor der Geburt aus der Brust gewonnen habe und anschließend einfrieren lies. Wäre mein Sohn dann nach der Geburt unterzuckert gewesen, hätte er diese Milch bekommen. Glücklicherweise war aber alles in Ordnung und Liam ist mit einem stabilen Blutzucker auf die Welt gekommen. 7. Hast du deine Ernährung sehr umgestellt während der Schwangerschaft und gab es etwas wonach du öfters Verlangen hattest? Natürlich habe ich darauf geachtet was ich esse. Aber für alle anderen Schwangeren gibt es verbotene Lebensmittel, wie zum Beispiel Schimmelkäse, Rohwurst usw.. Eine ausgewogene Ernährung ist ja schließlich gut in der Schwangerschaft und natürlich auch sehr gesund für das Kind, das im Mutterleib heranwächst. 8. Welchen Tipp würdest du einer Frau mit Typ 1 Diabetes geben die plant, ein Kind zu haben? Klar sollte man einen guten HbA1c-Wert haben und sich vor allem positiv auf eine Schwangerschaft einstellen. Ich habe meine Schwangerschaft total genossen und mich sehr wohl gefühlt, fast irgendwie “gesünder” als sonst. Irgendwie haben die Dinge anders funktioniert als sonst z.B. hatte ich bei Pizza gar keine Blutzuckerspitzen, wie ich sonst eigentlich gewöhnt war. Ich hatte irgendwie das Gefühl lockerer zu sein. Und ganz generell würde ich andere Frauen gerne ermutigen. Denn Diabetes sollte definitiv kein Grund sein an einer Schwangerschaft zu zweifeln. 9. Hast du dich mit anderen Frauen mit Diabetes ausgetauscht? Ja ich war ziemlich viel im Austausch mit anderen Frauen. Lustigerweise wurde eine Freundin, die auch Typ 1 Diabetes hat fast zur gleichen Zeit wie ich schwanger. Wir waren dann auch gemeinsam auf Reha und haben uns dort gegenseitig ermutigt wenn es mal nicht so gut lief. Vielen Dank für das Interview und alles Gute, Birgit!

Julia Kral